Pfarrer Marcel Köppli
Mit farbigen Socken durchs Leben
Sonntag, 30. November 2025
von Carole Bolliger
Nach einer Hirnblutung musste Pfarrer Marcel Köppli vieles neu lernen – denken, glauben, Einschränkungen akzeptieren. Heute steht er noch verwurzelter in der Matthäuskirche Luzern, mit geschärftem Blick auf das Leben und seinen Beruf.
Ein klarer Herbstmorgen in der Matthäuskirche. Pfarrer Marcel Köppli steht vorne im Chorraum. «Ich habe das Leben nie auf später verschoben, aber dieses Ereignis hat mich gelehrt, noch mehr im Jetzt zu leben, noch mehr für alles dankbar zu sein, was mir gegeben ist», sagt er nachdenklich. Das Ereignis, das er anspricht, liegt fünf Jahre zurück. Aus dem Nichts erlitt Köppli eine Hirnblutung. Ein Moment, der alles veränderte und doch vieles klärte. «Ich war plötzlich auf null. Drei Wochen auf der Intensivstation, unfähig, mir etwas zu merken.» Seine Familie bangte um ihn: Würde er überleben? Welche Einschränkungen würden bleiben? Würde er wieder mit seinen Kindern spielen können? Vom Spitalbett aus blickte er direkt auf den Friedhof Friedental. «Mein Umfeld wusste, ich könnte auch dort unten liegen.» Das prägt.
Kirche mit offenen Türen
Die Hirnblutung kam ohne Vorwarnung im Dezember 2020. Er sass an seinem Schreibtisch, plötzlich fiel er bewusstlos zu Boden. Es folgten kritische Tage auf der Intensivstation, mühsame erste Schritte mit dem Rollator, zahllose Tests. «Ich fragte immer wieder: Wird es wieder wie früher? Die Antwort lautete stets: ‹Wir werden sehen.›» Heute weiss er: Es wurde anders – aber nicht schlechter.